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Hieronymus Münzer

Gelehrtes Wissen – Reise – Aufzeichnungen. Hieronymus Münzer in der Nürnberger Wissensgesellschaft des 15. Jahrhunderts

Der Nürnberger Arzt Hieronymus Münzer unternahm in den Jahren 1494/95 eine lange Reise, die ihn über die Schweiz nach Frankreich, Spanien und Portugal und schließlich in die Niederlande führte. Er verfasste einen akribischen lateinischen Reisebericht (Itinerarium), in dem er von seinen Erlebnissen und Eindrücken erzählt. Der Bericht ist eine hervorragende Quelle nicht nur für die Reisen Nürnberger Bürger Ende des 15. Jahrhunderts und die Geschichte der von Münzer bereisten Länder, sondern auch ein Zeugnis für regionale Ausgangspunkte und Wahrnehmungsperspektiven der sogenannten „europäischen Expansion“ um 1500.

2003 startete ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Arbeitsvorhaben am Erlanger Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte. Ziel des Projekts ist zunächst eine kritische Neuedition des lateinischen Itinerarium, die in den "Monumenta Germaniae Historica" erscheint. Nürnberg erlebte um 1500 eine Zeit geistiger Blüte. Davon zeugt nicht zuletzt ein Kreis kosmographisch interessierter Humanisten, in dem Münzer verkehrte. An einigen der bedeutendsten Leistungen dieses Gelehrtenzirkels wirkte der Arzt mit, etwa an dem Globus Martin Behaims (1492) oder an der Schedelschen Weltchronik (1493).